Finnisch, die Weltsprache
"Ist die Zeit gekommen, dass Finnisch seinen Platz
als Weltsprache einnimmt?" Offenbar ist es sehr schwierig, auf diese Frage
eine definitive Antwort zu geben. Auf den ersten Blick scheint es viele
Faktoren zu geben, die solch eine Entwicklung verhindern.
Erstens: Finnisch wird nur von etwa 0.05% der
Weltbevölkerung gesprochen; zweitens: die Sprache kann nicht durch
10 einfache Lektionen gelernt werden; und drittens: es gibt immer noch
Finnen, die diese Sprache nicht verstehen.
Obwohl die Entwicklung der finnischen Sprache
doch ein wenig langsam ist, gibt es doch Finnen, die folgende Vorzüge
des Finnischen für eine Weltsprache hervorheben:
• Wir diskutieren über eine Sprache, die
grundsätzlich logisch ist. Regeln werden absolut eingehalten, frei
von Ausnahmen.
• Die Sprache ist wohlklingend. Mit anderen Worten:
sie ist eine Freude für die Ohren. Dies kommt von der überwiegenden
Menge von Vokalen, die dumme Kombinationen von Konsonanten verhindern.
Gelegentlich wurde vorgeschlagen, dass einige Vokale in die Tschechei exportiert
werden sollten, wo ein dauernder Mangel an ihnen herrscht, und einige tschechische
Konsonanten könnten stattdessen importiert werden - aber die Verhandlungen
wurden schon in früher Zeit abgebrochen. Die Finnen wollten nichts
mit einer Sprache zu tun haben, in der Eiscreme "zmrzlina" genannt wird,
und die Tschechen hingegen waren misstrauisch gegenüber einer Sprache,
in der dies "jäätelöä" heißt.
• Finnisch ist eine prägnante Sprache. Ein
finnisches Wort kann viele Dinge auf deutsch bedeuten. Warum Zeit vergeuden
und "Ausschuss zur Durchführung von Verhandlungen über die Einstellung
von bewaffneten Feindseligkeiten" sagen, wenn man doch ein einfaches Wort
wie "aseleponeuvottelutoimikunta" benutzen kann?
• Finnisch lernen gibt Selbstvertrauen. Wer Finnisch
lernen kann, der kann wirklich alles lernen.
• Die finnische Sprache hat längere und
bessere Flüche als jede andere Sprache.
Im Lichte dieser Fakten muss jedermann sofort
zu dem Schluss kommen, dass die Einführung des Finnischen als Weltsprache
ein Segen für die gesamte Menschheit sein wird. Ein Problem, das dann
auf uns zu kommt, ist, die restlichen 99.95% der Weltbevölkerung dazu
zu bringen, Finnisch zu lernen. Wir haben beschlossen, den Rest der Welt
an unseren Erfahrungen mit dieser Sprache teilhaben zu lassen, und nach
einigen Monaten intensiver (und manchmal verzweifelter) Forschung haben
wir die folgenden Methoden entwickelt, um das anzugehen, was sich bis jetzt
als eine der gewaltigsten linguistischen Herausforderungen der Welt erwiesen
hat.
Substantive und ihre Fälle
Denken Sie daran: Selbstvertrauen ist der Schlüssel
zum Erfolg. Niemals zweifeln! Wenn Sie beabsichtigen, ein Substantiv zu
gebrauchen, sollten Sie sorgfältig die Situation überdenken,
wobei Sie das folgende Schema benutzen:
-
• wie heißt das entsprechende Substantiv auf
Finnisch?
-
• Einzahl oder Mehrzahl?
-
• welcher Fall? - Nominativ, Akkusativ, Genitiv,
Essiv, Partitiv,
-
Translativ, Inessiv, Elativ, Illativ,
Adessiv, Ablativ, Allativ,
-
Abessiv, Kommitativ oder Instruktiv?
-
• ist es möglich, die Benutzung des Substantivs
zu vermeiden?
Haben Sie all dies in dem berühmten Bruchteil
einer Sekunde überdacht, atmen Sie tief ein und sprechen die erste
Hälfte des Substantives mit erhobener Stimme aus, die dann in ein
feines Wispern absinkt, wenn die Endung des Substantives ausgesprochen
werden soll. Diese Methode, Ihre Erfahrungen in der Benutzung der Fälle
zu demonstrieren, wird wärmstens empfohlen; denn schließlich
- wenn Sie selbst nicht feststellen können, ob Sie alles richtig gemacht
haben, kann ebenfalls kein Finne oder sonst jemand feststellen, ob Sie
es falsch gemacht haben. Die grundsätzliche Sache ist, voller Selbstvertrauen
zu erscheinen.
Zahlen
Oberflächlich betrachtet, scheinen sehr wenig
Ähnlichkeiten zwischen dem finnischen und dem deutschen Zahlensystem
zu bestehen. Zum Beispiel:
| yksi |
eins |
| kaksi |
zwei |
| kolme |
drei |
| neljä |
vier |
| viisi |
fünf |
| kuusi |
sechs |
| seitsemän |
sieben |
| kahdeksan |
acht |
| yhdeksän |
neun |
| kymmenen |
zehn |
Auf den zweiten Blick allerdings werden einige Fakten
deutlich, die dem Anfänger helfen können:
-
"kuusi" und "sechs" haben beide fünf Buchstaben.
-
"neljä" und "vier" scheinen um das "e" herum
gebaut zu sein
-
"seitsemän" und "sieben" haben offenbar den
gleichen Ursprung (beide fangen mit "s" an)
Weitere Tricks, um Zahlen zu lernen:
-
Vergessen Sie die deutschen Zahlen komplett. So sind
Sie gezwungen, die finnischen zu benutzen, um sagen zu können, wieviel
Uhr es ist. Falls Sie dadurch später Probleme bekommen, wenn Sie Deutsch
sprechen müssen, können Sie ein finnisch-deutsches Wörterbuch
benutzen, oder, wenn es nur um Zahlen bis zwanzig geht, ihre Finger und
Zehen zur Hilfe nehmen.
-
Vergeuden Sie nicht Ihre Zeit, Zahlen über zwanzig
Millionen zu lernen. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Sie einmal
so viel Geld besitzen werden, nicht einmal in Finnmark.
Monate und Tage
Sagen Sie "erster Tag", "dritter Tag", "zweiter Monat",
"Monat vor dem vorletzen" usw. Das erspart Ihnen zwei Jahre, in denen Sie
Namen auswendig lernen müssten und lässt Ihren Gesprächspartner
die ganze Arbeit tun.
Direkte Objekte
Die meisten finnischen Grammatikbücher sind
besonders einfach zu verstehen, wenn es um "direkte Objekte" geht. Es geht
ungefähr so: Ein direktes Objekt im Finnischen (allgemein "Akkusativobjekt"
genannt) kann im Nominativ, Genitiv oder Partitiv stehen. Um alles noch
leichter verständlich zu machen, werden Nominativ und Genitiv "Akkusativ"
genannt. Außerdem gibt es noch einen richtigen Akkusativ, der aber
keinen besonderen Namen hat. Große Vorsicht ist erforderlich, wenn
grammatische Bezeichnungen konstruiert werden. Wenn Sie das Wort "Akkusativ"
sehen, kann es Nominativ oder Genitiv bedeuten, aber niemals Akkusativ;
die Bezeichnung "Nominativ" kann Akkusativ bedeuten oder vielleicht Nominativ;
"Genitiv" kann Akkusativ bedeuten oder einfach nur Genitiv, während
"Partitiv" immer Partitiv ist, außer es könnte Akkusativ sein.
Verben
Der beste Ratschlag ist: Benutzen Sie überhaupt
keine Verben! Eventuell können Sie es ein wenig schwierig finden,
eine längere Unterhaltung zu führen, aber fleißiges Üben
macht Sie erfahren (wir verringerten die Anzahl von Fehlern um 20% mit
der Methode, Verben fortzulassen. Sie können weitere 15% schaffen,
indem Sie alle Adjektive, Adverbien und Pronomen weglassen, allerdings
droht dann die Konversation auf ein sehr niedriges Niveau abzusinken, falls
Sie keine Erfahrungen mit Ihren Händen haben).
Aussprache
Einige schwierige Laute und ihre korrekte
Aussprache:
| ää |
wie in "Nähe", länger und intensiver.
Mund so weit offen wie möglich. Ohren weit nach hinten gestreckt. |
| äy |
halb Palatal, halb Alveolar, halb Dental; verächtlich
erscheinen. |
| yö |
seien Sie sehr vorsichtig damit. |
| rr |
stark gerollt. Lose Zähne sind hier hilfreich. |
Dieser Text wurde im Jahre 1989 von Richard
Lewis geschrieben und später von Gunnel Stenberg ins Schwedische übersetzt.
Kari Yli-Kuha übersetzte ihn zurück ins Englische und schickte
ihn ins Internet, wo ich ihn fand und ins Deutsche übersetzte.
Paul Lenz